Die Fahne der Bergknappschaft
Johanngeorgenstadt

Zu den Insignien der Bergknappschaft gehört neben der Knappschaftslade die Fahne. Die erste Fahne wurde 1773 angeschafft. Auf Forderung des Oberbergamtes in Freiberg wurde diese Fahne auf "carmoisinroter" und schwarzer Seide als Seidenmalerei ausgeführt, da karmesinrot die Kennfarbe des Bergreviers Johanngeorgenstadt war.

Nachdem 1835 bzw. 1836 die Knappschaften von Schwarzenberg und Scheibenberg neue Fahnen erhalten hatten, wollte man auch in Johanngeorgenstadt nicht nachstehen. Knappschaftsschreiber Carl August Ring richtete eine Fahnenkasse ein und die Bergleute fuhren freiwillige Schichten. Die neue Fahne sollte nicht mehr als Seidenmalerei ausgeführt, sondern gestickt werden. Aufgrund einer Empfehlung beauftragte man damit Emilie Warnatz in Dresden. Das Fahnentuch besteht wieder aus drei gleich großen Feldern, wovon das mittlere aus schwarzer, die äußeren aus karmesinroter Seide bestehen. Den Vorstellungen von Bergamt und Knappschaft entsprechend wurde die neue Fahne ähnlich der vorhandenen von 1773 angefertigt. Da Sachsen seit 1806 Königreich war, zeigt die eine Seite das sächsische Wappen mit Königskrone auf einem Hermelinmantel. Die andere Seite zeigt Bergbausymbolik. Mittelpunkt bilden zwei, von Lorbeerlaub umrankte, rote Wappenschilder. Eines zeigt mit Schlägel und Eisen das Symbol des Bergbaues, während das andere mit Krummeisen, Hüttengabel und Stecheisen das Hüttenwesen symbolisiert. Daneben werden typische bergmännische Arbeitswerkzeuge abgebildet, wie Bergbarte, Keilhaue, Kratze und Spaten. Auch Vermessungsgeräte des Markscheiders sind zu sehen, nämlich Grubenkompaß, Lachterkette, Winkel und Gradbogen. Auf einem Schriftband darüber ist zu lesen: "Fahne der Knappschaft zu Johanngeorgenstadt".

Die Kosten der Fahne betrugen 111 Thaler. Zusätzlich mußte das Material für die Gold- und Silberstickerei bei der Freiberger Firma Thiele & Steinert bezahlt werden. Die feierliche Einweihung der Fahne erfolgte während eines gemeinsam Bergfestes am Reformationstag - dem 31. Oktober - 1838. In Parade zogen die beiden Bergknappschaften auf den Marktplatz, wo der damalige Bergmeister Rudolph Hering eine Ansprache hielt. Nach einem Berggottesdienst ging es zum Bergbier in das festlich geschmückte Lokal "Farbmühle" in Unterjugel. Laut der Abrechnung von Knappschaftsschreiber Ring, wurden bei dem Bergbier 846 Kannen Bier geleert, wofür 35 Thaler und 6 Groschen bezahlt wurden. Weitere 6 Thaler erhielt der Stadt-Musicus Michaelis für seine Bergmusik.

Das Original der Fahne ist heute noch erhalten. Zu ihrem Schutz wurde jedoch 1981 vom damaligen VEB Buntstickerei Eibenstock eine Kopie angefertigt. Dieses Duplikat wird von der 1980 wiedergegründeten Johanngeorgenstädter Knappschaft bei Bergaufzügen stolz vorangetragen.

Knappschaftsfahne

Vorderseite

 

Knappschaftsfahne

Rückseite

 

Fahnenspitze

Fahnenspitze

 

Fahnenweihe 1981

Fahnenweihe 1981